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Sao Vicente - Kapverden

Ein noch relativ unbekanntes Surfrevier liegt auf der Kapverden-Insel Sao Vicente. Hier bläst der Wind die meiste Zeit in Rekordstärke und stellt damit hohe Anforderungen an Mensch und Material. Bei gemäßigten warmen Temperaturen (ähnlich wie auf den Kanarischen Inseln) kann man hier dem deutschen Winter erfolgreich entfliehen. Im Februar 2014 und 2015 waren wir mit einer größeren Gruppe von 8 bis 10 Surfern dort, ebenso im März 2018.

Die Station

Die Station wird seit einiger Zeit von Sven betrieben, unterstützt von seinem einheimischen Team, das z. T. schon seit mehreren Jahren hier arbeitet und den Spot in- und auswendig kennen.

Die Station liegt auf dem weitläufigen Gelände des Foya Branca-Hotels, nebenan gibt es auch noch eine Tauchstation. Gleich hinter dem nachts geschlossenen Hoteltor beginnt der sehr große Sandstrand, er ist allerdings hin und wieder zum Teil überflutet. Dann watet man auf recht glitschigen Untergrund zum Einstieg. Die Station selbst ist mit einer Mini-Umkleideecke und einer mit der Tauchstation gemeinsam genutzten Außendusche ausgestattet. Ein windgeschützter Bereich mit Klappliegen und Sitzsäcken lädt zum Relaxen ein.

 

Material

Die Station ist mit einer inzwischen recht großen Anzahl an Fanatic- und Tabou-Boards ausgestattet. Inzwischen gibt es aber den Fanatic-Falcon nicht mehr, mit dem während unseres 2015er Aufenthalts auch ein neuer Revierrekord gefahren wurde: 74 km/h! Die Boards sind teilweise relativ neu, teilweise aber auch ältere Modelle mit (ein wenig unfachmännisch durchgeführten) Reparaturen. Bei großem Ansturm an Gästen - was selten vorkommt - werden auch diese aus dem Lager hervorgeholt.

Die Segel sind mehrheitlich von Gaastra und North und eher knapp bemessen. In der Vergangenheit wurde lange nichts ersetzt, in 2014 waren wir mit der Qualität des Materials aber noch einigermaßen zufrieden. Das änderte sich, als wir 2015 das alte arg strapazierte Material wieder vorfanden. Bei den Wind-Bedingungen hier sollte auf die Qualität des Materials doch sehr geachtet werden. So gab es bei dieser Reise dann viel Bruch, der nach unserer Einschätzung sehr häufig darauf zurückzuführen war, dass das Material bereits abgängig war.

2018 waren die Segel qualitativ im mittleren Bereich angesiedelt, es kam immer mal wieder zu Engpässen, wenn alle gleichzeitig aufs Wasser wollten.

 

Ein Teil des Boardangebots im Februar 2016.

Wind und Wetter

Der Wind weht hier im Winter eigentlich immer – und zu der Zeit, zu der wir jeweils da waren, war er auch durchweg sehr stark. 2014 pustete er meist mit etwa 6 Beaufort, Abweichungen gab es eigentlich nur nach oben, hin und wieder bis zu 8 oder 9 Beaufort. Dann türmte sich auch der Shorebreak mitunter so hoch, dass schon mal ein Mast zu Bruch ging. Wer sich solchen Shorebreak nicht zumuten kann oder möchte und ein paar Minuten Geduld hat, ist aber mit dem guten Shorebreak-Service immer auf der sicheren Seite. 2015 war der Wind extremer. Da erreichte er im Maximum auch gute 9 Windstärken, an den meisten Tagen „begnügte“ er sich aber mit 7-8. Dabei war er sehr böig, einmal wurde innerhalb von drei Minuten 4 und gleich danach 8 Windstärken gemessen. Neben dem Shorebreak war das eine große Herausforderung, denn eigentlich hatten wir an solchen Tagen immer das falsche Segel. 

2018 hatten wir unsere Reise extra auf den März gelegt, eine Empfehlung er Locals. denn im März soll der Wind etwas leichter und weniger ruppig sein, als im Februar. Dem war leider nicht so! während unseres Aufenthalts war der Wind so stark wie noch nie! 8-9 Windstärken, sehr böig und sehr ruppig war fast Standard, an manchen Tagen sogar mehr. Es kam vor, dass niemand von unserer Gruppe aufs Wasser gehen mochte, weil es zu gefährlich schien!

Die Hauptwindrichtung zu dieser Jahreszeit ist ablandig bis schräg ablandig von links, und da das Revier sehr ruppig ist, ist auch diese Windrichtung nichts für Angsthasen. Denn bei den Bedingungen ist der Einsatz des Rettungsbootes gar nicht immer möglich – zudem lag es im Jahr 2015 immer oben an der Station, ob es überhaupt einsatzbereit war, bezweifelten viele. Das war 2014 besser, da wurde es jeden Morgen an den Strand hinunter gebracht und wäre so innerhalb kurzer Zeit startklar gewesen. 2018 war das Boot startklar und sogar mehrfach im Einsatz.

Das Wetter ähnelt im Februar und März dem Kanaren-Wetter, tagsüber hatten wir etwa 22-24 Grad, die Wassertemperaturen lagen sicherlich auch bei 20 Grad. Manche Surfer waren dann auch im Shorty unterwegs, andere fühlten sich mit 3-4mm Neos gut ausgestattet.

Die Surfer sind in diesem Revier nicht allein. Die örtlichen Fischer aus dem nahegelegenen Fischerdorf tuckern mit ihren kleinen Booten gerne mal mitten durch die Surfer, und am (vom Strand aus gesehen) rechten Ende der Bucht breiten sie auch schon mal ihre Netze im flachen Wasser zur Fischtreibjagd aus. Auf der anderen Seite der Bucht ankern die Fischerboote gerade in dem Bereich, in dem wir Halsen oder Wasserstarten mussten… 

Überblick vom Balkon auf Garten und Poolbereich
Im windgeschützten Hof beim "Schweden"

Wohnen: Hotel Foya Branca

Bis zur Mitte des Jahres 2015 stand ausschließlich das Hotel Foya Branca, auf dessen Gelände auch die Surfstation liegt, zur Verfügung. Dieses Hotel ist mittelgroß und bietet neben einfacheren großen Zimmern im älteren Teil etwas gehobenere Zimmer in den neueren dreistöckigen Gebäuden. Hier hat man einen tollen Blick über die ganze Bucht. Das Hotel hat einen akzeptablen Standard, allerdings werden Sonderwünsche mitunter nur schleppend erfüllt – kapverdianisch eben. Im März 2018 hatte sich daran nicht viel geändert, der Zustand des Hotels ist nahezu gleich.  Im Foya Branca gibt es ein etwas karges Frühstück, wer das weiß, bringt sich ein paar Tomaten oder Nutella mit, dann passt es, solange man keine große Ansprüche stellt. Und Teetrinker sollten in der Vergangehiet immer einen kleinen Vorrat an Teebeuteln im Gepäck haben. 2018 hatte sich die Teeversorgung stabilisiert, unsere Notfall-Teebeutel mussten nicht zum Einsatz kommen.

Übrigens kann man mittags und abends im Hotel auch essen, das haben wir aber nur im Ausnahmefall gemacht. Es schmeckte uns dort einfach nicht. 

Seit 2015 steht am anderen Ende der Bucht im Fischerdörfchen ein weiteres Hotel zur Verfügung, das man ca. in 15 Minuten von der Station aus zu Fuß erreichen kann.

Kleiner Tipp:
Tischtennisschläger und -bälle einpacken. Denn es gibt eine Tischtennisplatte für zu windreiche oder windarme Tage. Die Platte ist ok, aber Schläger und Bälle schon sehr mitgenommen.

Restaurants, Geschäfte etc.

Direkt gegenüber vom Hotel liegt ein kleines sehr gutes Restaurant eines ausgewanderten Schweden, das oft auch schon mittags geöffnet hat. Eindeutig die bessere Alternative für diejenigen, die in Hotelnähe etwas essen wollten. Abends fuhren wir meist mit dem vom Hotel zur Verfügung gestellten Shuttle-Bus in die Stadt Mindelo. Hier geht es noch recht untouristisch zu, es gibt aber einige gute Restaurants, die in wenigen Minuten von der Bushaltestelle aus zu Fuß zu erreichen sind. Rund ums Hotel gibt es sonst aber nichts, sodass auch Einkäufe wie Kekse (unbedingt die leckeren Selbstgebackenen aus dem Supermarkt probieren!), Mineralwasser u. ä. in der Stadt erledigt werden müssen.

Unsere Empfehlung: Das Café Casa am Hafen, dort wird abends kapverdianische Livemusik gespielt und man kann sich aus diversen frisch gefangenen Fischen und Meeresfrüchten seine Lieblingsspeise aussuchen. Auch für diejenigen, die keinen Fisch mögen, gibt es viele gute Angebote. Und nachmittags bieten sie hier sehr leckere Torten an!

Unsere Empfehlung: Das Café Casa am Hafen

Karneval

Im Jahr 2015 waren wir genau zur Karnevalszeit auf Sao Vicente. Und obwohl wir Karnevalsmuffel aus Norddeutschland darüber zunächst ein wenig erschrocken waren, haben wir den Kapverdischen Karneval sehr genossen. Durch die Straßen ziehen an diesen Tagen fantasievoll ausstaffierte Wagen und massenweise Tänzerinnen in farbenprächtigen und teilweise sehr knapp bemessenen Kostümen und die ganze Stadt ist auf den Beinen. Wir haben uns den berühmten brasilianischen Karneval immer genau so vorgestellt… Absolut sehenswert!

Fazit /Empfehlung

Dieses Revier ist definitiv nichts für Angsthasen! Die Bedingungen sind so rau, dass Surfen uns oft eher als Kampf ums Überleben anstatt als Freizeitspaß erschien. Wer sehr kräftig ist, auch ein paar Kilos mehr mitbringt, den Wasserstart sicher beherrscht und starken Wind mag, wird hier sehr auf seine Kosten kommen. Alle anderen sollten zumindest angstfrei sein, um Spaß zu haben.

http://www.kapverdensurf.com/de (Infos der Surfstation)

https://www.facebook.com/SaoVicenteWindsurfing (Infos der Surfstation)

http://www.foyabranca.com/ (Hotelinfos)

https://www.youtube.com/watch?v=jtxgrsLWFvk&app=desktop (Video von 2015)

https://www.youtube.com/watch?v=Zys_8y0X8rE (Video von 2018)