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Sao Miguel do Gostoso - Brasilien

Ende Oktober 2017 zog es uns erstmals nach Brasilien – für 2 Wochen ins kleine Fischerdorf Sao Miguel do Gostoso. Dieser Ort, der ca. 1 Stunde Fahrt vom Flughafen Natal entfernt an der Ostküste liegt, wird immer noch mehr oder weniger als Geheimtipp unter Windsurfern gehandelt. Das ist er sicherlich nicht mehr, aber es ist immer noch ein Ort, der vom Massentourismus verschont geblieben ist.

Anreise über Lissabon: Schnell und unkompliziert

Die Anreise mit TAP Portugal über Lissabon ist erstaunlich schnell. Es gibt verschiedene Flughäfen in der Nähe, die von Lissabon aus angeflogen werden. Am dichtesten zu Gostoso liegt Natal. Wir kamen spät abends an und mussten dann leider ein paar Stunden warten, bevor unser vorbestellter Transfer uns nach Gostoso brachte. Der Grund: Eine größere Gruppe von Surfern aus Deutschland vermisste einen Teil ihres Gepäcks – darauf mussten alle warten… So erreichten wir unsere "Pousada" erst spät nachts…

Der Blick vom Balkon über die Anlage.

Wohnen in der Pousada

Da Gostoso glücklicherweise noch weitab von den üblichen Touristenpfaden liegt, gibt es dort nach unserer Beobachtung keine größeren Hotels der internationalen Konzerne, sondern nur kleinere einheimische Unterkünfte. Diese Pousadas sind sehr unterschiedlich in Lage, Größe, Ausstattung und Preis, es gibt ein sehr großes Angebot. Während unseres Aufenthalts waren viele Zimmer frei und es wäre auch ohne Reservierung schnell und unkompliziert gewesen, ein Zimmer zu finden. Wir wohnten in der Vila Emanuele, nur wenige Minuten zu Fuß von der Surfstation entfernt. Diese Pousada ist sicherlich eine der teuersten, sie ist aber auch sehr schön und sehr hochwertig ausgestattet. Zudem hat sie nur wenige Zimmer und bietet einen sehr persönlichen und recht guten Service. Der Manager Paolo spricht gut Englisch und ist sehr bemüht, es seinen Gästen gut gehen zu lassen. So fuhr er zum Beispiel extra nach Natal, um uns norddeutschen Teetrinkern genießbaren Tee zu besorgen.

Surfstation Dr. Wind

Gesurft haben wir an der Station von Paolo Migliorini, einem ehemaligen italienischen World-Cupper. Seine Station "Dr. Wind" liegt direkt am riesengroßen weißen Sandstrand. Dort wird Surf- und Kitematerial verliehen, es gibt aber auch gute Storagemöglichkeiten für all die, die ihr Material mitbringen. – Was viele Kiter und einige Surfer nutzen. Außerdem gibt es neben WCs, einer Dusche und vielen Schattenplätzen eine kleine Bar, an der kalte Getränke, Kokosnüsse und super-leckere Kleinigkeiten zum Essen angeboten werden. Sehr interessant, frisch und lecker ist Açai, eine Art Sorbet aus der gleichnamigen Amazonas-Frucht.

Die Station ist überraschenderweise – obwohl der Strand ja riesig ist – sehr schmal, dafür geht sie weit nach hinten durch. Sie bietet viel Platz, aber insbesondere mittags und nachmittags, wenn viele Surfer und Kiter Pause machten oder fertig waren, wurde es eng, wenn das benutzte Material gesammelt und gesäubert wurde.

Das Surfmaterial war in ordentlichem Zustand. Es gab ca. 50 RRD-Boards und 60 RRD-Segel. Die Helfer an der Station sorgten immer dafür, dass es anständig getrimmt war und spülten es täglich ab. Und Paolo ist eigentlich immer selbst vor Ort, kümmert sich um vieles und bringt sein Team "auf Trab", wenn es mal ein bisschen zu "laissez faire" wird. Er holte auch nagelneues großes Material aus dem Lager, als am ersten Tag nur sehr leichter Wind war und wir trotzdem gerne surfen wollten. Das Team war i.d.R. nett und hilfsbereit, manchmal musste man aber schon ein wenig warten, bevor sie sich bereitfanden, sich um die Gäste zu kümmern. Und die Kommunikation war mitunter schwierig, weil nur einige ein wenig Englisch sprachen.

"Dr. Wind" Paolo

Klima / Wetter

Ende Oktober/Anfang November war es für unsere Begriffe sehr heiß. Dabei aber auch sehr trocken, deshalb konnte man die Temperaturen gut aushalten. Tagsüber wurde der Sand am Strand z. B. so heiß, dass wir nicht ohne Schuhe gehen konnten. Und wir hielten uns – außer während des Surfens – konsequent im Schatten auf. An der Station gibt es sowohl vor, als auch über der Bar schöne Schattenplätze mit guten Blick aufs Strandgeschehen. Die Wassertemperaturen waren sehr angenehm, Shorts und Lycra fühlten sich manchmal schon zu warm an.

Einkaufen

Gostoso ist definitiv kein Shopping-Paradies! Man sollte sich nach unserer Erfahrung nicht darauf verlassen, dass man Dinge, die man benötigt, dort kaufen könnte. Zwar gibt es ein paar Supermärkte und kleine Geschäfte, wo man Getränke und Lebensmittel kaufen kann, das war es aber auch beinahe schon.

Essen gehen

Da unsere Pousada nur Frühstück anbietet, sind wir abends immer essen gegangen. Und wir waren total begeistert! Wir haben noch nirgendwo in der Welt so durchgängig gut gegessen wie in Gostoso. Es gibt sehr viele zum Teil sehr unterschiedliche Restaurants, die auch preislich sehr unterschiedlich waren. Überall war das Essen hervorragend! Ob am Strand beim Fischer, an der Hauptstraße oder etwas weiter entfernt in den Seitenstraßen – alles lecker, frisch zubereitet, bekömmlich und reichhaltig. Und Cocktails sowie frischgepresste frische Säfte aller Art gibt es außerdem. Die Preise sind im Vergleich zu denen in Deutschland etwas günstiger, für brasilianische Verhältnisse aber richtig hoch!

Lecker - eisgekühlte frische Kokosnuss!

Surfen

Was das Surfen angeht, sind wir ein bisschen gespalten: Es gab wenige richtig gute Tage, mehrere Tage mit leichten und unbeständigem Wind und ein paar Tage, mit böigem stärkeren Wind. Dazu je nach Stand der Tide mehr oder weniger hohe Wellen und Shorebreak. Die Wellen in der Bucht waren sehr zerhackt und ruppig, ziemlich schwer einschätzbar. Weiter draußen waren sie gleichmäßiger und manchmal auch ziemlich groß. Das machte Spaß, wenn der Wind konstant war… Leider hatten wir diesbezüglich aber meistens Pech. Zudem gab es – ebenfalls tidenabhängig – ziemlich starke seitliche Strömungen, was es nicht unbedingt einfacher machte. Insgesamt empfanden wir das Revier als anspruchsvoll und anstrengend – easy surfing gab es für uns nicht!

Allerdings: Wir haben mit vielen Surfern gesprochen, die schon mehrfach, zum Teil seit vielen Jahren, nach Gostoso kommen. Unisono sagten sie, dass sie solche ungleichmäßigen und schlechten Bedingungen noch nie erlebt hätten.

Geld

Bezahlen kann man in den meisten Restaurants mit Kreditkarte – auch kleinere Beträge. Trotzdem haben wir öfter bar gezahlt, denn wir hatten sicherheitshalber Bargeld mitgebracht.

Unser Tipp: In Lissabon Geld tauschen – hier ist der Wechselkurs oft günstiger als in Natal am Flughafen. In Natal gibt es am Flughafen einen Geldautomaten, in Gostoso aber nicht.

Unser Fazit

Wir hatten einen schönen entspannten Urlaub und sind von Brasilien sehr angetan, obwohl wir nur wenig vom Land gesehen haben. Was das Surfen betrifft, sind wir noch nicht so überzeugt, werden es aber wieder versuchen, schließlich haben uns viele versichert, dass wir nur Pech mit dem Wind hatten. Da Gostoso keinerlei Sehenswürdigkeiten bietet und einfach nur ein einfaches (inzwischen größeres) Dorf ist, würden wir unseren nächsten Urlaub mit ein paar Tagen Tourismus-Programm kombinieren.

Weitere Infos:

http://www.vilaemanuellepousada.com/home-tedesco

http://www.drwind.com.br/