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El Gouna - Ägypten

El Gouna, der bekannte Kitespot am südlichen Roten Meer in Ägypten, hat seit November 2015 auch eine Windsurfstation. Ganz im Norden des Ortes, ca. 3 km außerhalb gelegen, befindet sich die neue "Element"-Station, die von dem sympathischen Deutschen Daniel geleitet wird. Wir haben dort zwei Wochen Ende Dezember 2015 zugebracht.

Tolle neue Station - Konzept mit Anspruch

Die Element-Station hat uns gleich auf den ersten Blick beeindruckt: Sie sieht sehr schick und modern aus, bietet viel Platz für Kiter und Windsurfer und ist mit allem ausgestattet, was man braucht: Leihmaterial, Storageräume, Duschen, WCs und Umkleidebereich mit abschließbaren Fächern, ein kleiner Shop (Shirts, Hoodies, Shorts, Beanies, Taschen, Flip Flops etc.) sowie ein Beach-Restaurant sind vorhanden. Hier gibt es hervorragende hausgemachte Pizzen und (für Ägypten überraschend) gute Snacks und Sandwiches. Das Personal ist durchweg sehr freundlich und aufmerksam. Man spürt, dass hier ein  interessantes Konzept von engagierten Menschen mit Hotellerie-Erfahrung umgesetzt wird.

Wind: Zwischen 0 und 7 Windstärken

Der Winter ist in Ägypten bekanntermaßen etwas windärmer, und so hatten wir von den 13 Tagen vor Ort auch nur acht Tage mit Gleitwind, zwei davon sogar mit starkem Wind von 6-7 Beaufort. An einigen Tagen kam der Wind allerdings erst am Nachmittag und legte nach 16 Uhr noch zu. Da aber die Sonne im Dezember schon um 17 Uhr untergeht, hat man davon manchmal nichts mehr gehabt. Der Wind kam meistens schräg auflandig von links, drehte aber auch schon mal ein bißchen in die eine oder andere Richtung. Bei der Hauptwindrichtung hatten wir Surfer ein riesiges Stehrevier von 1 km und in der ersten Woche - bedingt durch die Tide - auch jederzeit genug Wasser unter der Finne. Das war in der zweiten Woche leider etwas anders, da war Vollmond und die Ebbe so tief, dass selbst für Surfboards mit sehr kurzen Finnen nichts zu machen gewesen wäre. "Wäre" - denn zu unserer Erleichterung waren das die windstillen Tage, die wir für Stand-up-Paddeln, Sonnen und Relaxen nutzen konnten.

Leider haben wir eine recht kühle Phase erwischt: Meist erreichte das Thermometer kaum die 20-Grad-Marke, im Schatten war es für die meisten Gäste zu kalt. Auch das Wasser war nicht wärmer, sodass viele mit ihren dünnen Neos gefroren haben.

Viel Platz für wenige Surfer

Da die Station erst vor ein paar Wochen eröffnet wurde, war es meist nicht voll. Und Windsurfer waren sowieso in der Minderheit. Meist waren wir zwei oder drei, maximal habe ich an einem Tag sechs Surfer gezählt. Allerdings inklusive zweier Anfänger...

Der Einstiegsbereich ist für Surfer und Kiter getrennt, so kommt man sich nicht in die Quere. Auf dem Wasser mischt es sich dann aber doch. Das ist allerdings kein Problem, denn die Bucht ist groß und das Meer weit!

Das Revier ist weitgehend stehtief und hat meistens Glattwasser. Bei stärkerem Wind entstand ein Chop und später auch eine kleine ungeordnete Windwelle, die es Anfängern und Aufsteigern manches Mal etwas schwer machte. Durch die Tide entstand manchmal am "äußeren Ende" des Stehbereichs eine leichte Strömung.

Das Material

Glücklicherweise waren wir nur wenige Surfer, denn anderfalls hätte das Leihmaterial an der Station nicht ausgereicht. Es gibt zwar ca. 40 Surfboards, davon sind aber nur etwa die Hälfte solche, die der durchschnittliche Freizeitsurfer benutzt, also Freeride- und Freewaveboards. Zusätzlich gab es ein paar Anfängerbretter, ein paar Freestyle-Boards und sogar Speed- und Raceboards - diese wird man dort vermutlich nie fahren können, da sie recht lange Finnen haben. 

Bei den Segeln standen uns ca. 30 Segel zur Verfügung - in Größen von 7,5 bis 3,7 m². Das kann natürlich ausreichen, wenn mehrere Surfer mit unterschiedlichen Bedürfnissen gleichzeitig surfen wollen. Unsere Erfahrung zeigt uns allerdings, dass das selten der Fall ist. Meist wollen alle gleichzeitig ähnlich große Boards und Segel fahren - und dann wird es in Zukunft sicher eng. Zudem waren zwar viele Gabelbäume vorhanden, der größte Teil stand jedoch originalverpackt in der Ecke.

Von denen, die bereits benutzt werden konnten, waren viele unbenutzbar, z. B. weil sie die falschen Tampen hatten. Wer ohne Trapez fährt, wird sich daran nicht stören - wir möchten aber Tampen in der richtigen Länge haben - und auch nicht darüber diskutieren müssen. Auch ließen sich einige Gabeln nicht benutzen, weil die Belegklemmen am Schothorn aus Kunststoff und bereits nach kurzer Benutzung "vergniedelt" sind. Und: manche Gabeln konnte man auch nach mehrmaligen Nachtrimmen auf dem Wasser einfach nicht fest am Mast befestigen, sodass sie wackelten und teils sogar rutschten.

F2-Material leider enttäuschend

Über die Qualität dieses Materials waren wir recht enttäuscht, hatte die Station doch in ihrer Werbung angegeben, dass es sich um neues F2-Material handelte. - Das war es wohl auch, wenn man unter "neu" unbenutzt versteht. Aber: Das Material war keinesfalls neu in dem Sinne, wie es bei Surfstationen üblicherweise ist. So standen dort einige Bretter aus dem Baujahren 2013, 2014 und 2015 - von 2016er Material, wie man es an anderswo am Ende des Jahres bereits testen kann, war hier nichts vorhanden. Und es handelte sich - leider - um F2-Material, das möglicherweise für den selten surfenden Privatmenschen gerade noch gut genug ist, für Leihmaterial an einer Station ist es nach unserer Einschätzung völlig ungeeignet. Nicht nur, dass die Gabelbäume schon nach kurzer Zeit Schrott sind, die Boards sind außerdem äußerst empfindlich und fallen dann tagelang für die Reparatur aus.

Das Mosaique-Hotel soll zukünftig zum Haupthotel für Surfer und Kiter werden

Wohnen in El Gouna

Wir wohnten knapp drei Kilometer entfernt im neueren Teil von El Gouna, im Mosaique-Hotel, das an der Abu Tiq-Marina liegt. Dort hat es uns sehr gut gefallen, das Hotel ist sehr schön, mit knapp 70 Zimmern relativ klein, meistens wirklich ruhig und soll - so die Pläne - zukünftig zu dem Wassersportler-Hotel El Gounas weiterentwickelt werden. Es gab morgens im 30-Minuten-Takt einen Shuttle zur Station, abends ab 16 Uhr ging's ebenfalls im 30-Minuten-Takt zurück. Zu anderen Zeiten haben wir ein Tuk-Tuk genommen, kleine Moped-Taxis, die auf allen Strecken innerhalb des Orts 15 Ägyptische Pfund pro Strecke für zwei Personen kosten. Das Essen im Hotel war gut und abwechslungsreich und die Küche arbeitet so sauber, dass Bauchschmerzen oder gar "die Rache des Pharaos" fast nicht vorkommen. Es gibt darüber hinaus unendlich viele andere Hotels, die teilweise auch All-inclusive anbieten - wer`s braucht...

Infos zu den Hotels gibt es unter http://www.hotels.elgouna.com/de/

Unser Tipp: Sucht euch ein Hotel, das an der Abu Tiq-Marina liegt, dort fanden wir es am schönsten. Übrigens: El Gouna wächst, es entstehen an vielen Stellen neue Hotels, Villen, Lagunen etc. Deshalb wird auch viel gebaut. Die Baustellen haben wir gesehen, Baulärm oder Dreck haben wir in unserem Hotel aber nicht wahrgenommen.

Essen gehen

Wer im Hotel Frühstück oder Halbpension gebucht hat, findet in der Nähe der Hotels sowie Downtown viele unterschiedliche Restaurants mit teilweise sehr gutem Essen zu akzeptablen Preisen. Wir haben z. B. ein Thailändisches Restaurant Downtown (White Elephant) sowie ein Steakhaus in der Abu Tiq-Marina (Captain's Inn) ausprobiert - beide waren für ägyptische Verhältnisse hervorragend! Allerdings: El Gouna ist nicht Ägypten. Die Preise sind deshalb sicherlich höher, als an anderen Touristenorten, verglichen mit der Heimat aber ok.

Unser Fazit:

El Gouna und die Element-Station sind für Windsurfer eine neue und gute Option, insbesondere in der kalten Jahreszeit, in der heimische Surfreviere einfach zu kalt sind. Anfänger und Easy-Surfer sowie alle mit Tiefenangst sind hier sicher zu jeder Zeit richtig. Wer aber bereits etwas höhere Ansprüche ans Material entwickelt hat, wird sich das eine oder andere Mal wundern oder sogar ärgern. - Hier sehen wir noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Dem Team an der schönen Station wünschen wir, dass sich die Material-Probleme schnell und gut lösen lassen und dass die Station auch für Surfer mit ein bißchen mehr Anspruch ans Material attraktiv wird! Wir behalten die Entwicklung auf jeden Fall im Blick und kommen sicherlich irgendwann einmal wieder.


Weitere Informationen:

http://element-watersports.com/

https://www.facebook.com/element.elgouna/